Geschichte wiederholt sich

Regeln und Gesetzmäßigkeiten in der Geschichte der Menschheit

Geschichte wiederholt sich doch:

Historische Ereignisse in ihrem Ursprung zu verstehen kann eigentlich recht einfach sein, wenn man diese von der Entwicklungsgeschichte des Menschen und unserer Zivilisation her betrachtet. Hierzu muss man sich im ersten Schritt um mehrere Millionen Jahre zurückversetzen und den Vergleich mit dem Tierreich wagen.

Dabei fällt nämlich auf, dass der Mensch ein typisches Herdentier ist. Vergleichbar also mit Affen und Paarhufern. Und so hat er ja auch in der Urgesellschaft gelebt. Wäre der Mensch ein Einzelgänger, wie es Katzen oder Bären sind, dann hätte nie eine Zivilisation entstehen können, denn die Kommunikation wäre dann nur auf die Erfordernisse der Fortpflanzung beschränkt geblieben.

Da es sich also bei uns Menschen um ein Herdentier handelt, verhalten wir uns trotz aller Fortschritte bis zum heutigen Tag dementsprechend. Hiermit lässt sich unsere Wesensart in der Gruppe, insbesondere auch unser Verhalten als Mitläufer sehr gut erklären. Und wer sich einmal selbst beobachtet, wird auch feststellen wie schwer es uns fällt, als einziges Mitglied einer Gruppe eine gegensätzliche Meinung zu haben.

Allgemein bekannt und überall auch im Tierreich zu sehen ist außerdem, dass es bei jeder Herde ein Leittier gibt. Ansonsten würde die Herde nicht als solche existieren, da ja dann jedes Individuum etwas anderes machen würde. Auf die Menschheit übertragen heißt das, es ist in jeder Gruppe ein Anführer vonnöten, also ein Chef.

Nun kommt eine weitere für das Leben geltende Gesetzmäßigkeit ins Spiel: Die Vergänglichkeit und Sterblichkeit. Ein Gruppenführer bleibt nie für ewig an der Macht. Er muss früher oder später abgelöst werden. Es ist somit immer ein Nachfolger notwendig. Und dieser Nachfolger muss schon Gewehr bei Fuß stehen, bevor der alte Machthaber seine Fähigkeiten verliert. Deshalb wird das alte Oberhaupt regelmäßig von potentiellen Nachfolgern herausgefordert. Damit wird sichergestellt, dass auch der neue Chef genügend Durchsetzungskraft hat und wirklich zur Führung der Gruppe geeignet ist. Das führt sowohl im Tierreich als auch in der menschlichen Gesellschaft zu Machtkämpfen. Auf unsere Gegenwart übertragen sind sie nicht nur die natürliche Ursache für die Aufteilung der politischen Macht in Regierung und Opposition, sondern auch für Flügelkämpfe innerhalb der Parteien und im Extremen auch für Bürgerkriege.

Kommen wir nun zum Verhalten der Gruppen untereinander. Hier gibt es scheinbar Widersprüche, die sich wahrscheinlich aus natürlichen Ursachen herausgebildet haben. So muss sich einerseits die Gruppe zum Erhalt der eigenen Art abgrenzen, um eine Vermischung mit ähnlichen Arten zu vermeiden (z.B. mit dem einst zur gleichen Zeit lebenden Neandertaler). Anderseits ist eine Vermischung von kleinen Gruppen biologisch auch notwendig, um eine ausreichende genetische Vielfalt zu erhalten.

Durch diese beiden Erfordernisse haben sich bei uns offensichtlich schon zum Beginn der Menschwerdung typische Verhaltensweisen herausgebildet, die im Vergleich zum Tierreich allerdings oft deutlich konsequenter erscheinen. Jedenfalls wesentlich aggressiver. Gemeint ist die hierbei stattfindende Tötung von Artgenossen. Diese ist nicht nur häufig im Verhalten von uns Menschengruppen untereinander, sondern auch im Umgang mit Konkurrenten innerhalb der eigenen Gruppe zu beobachten.

Wir können es einfach nicht verleugnen: Der mörderische Kampf gegen unsere Artgenossen ist und war immer Teil unserer Geschichte. Ebenso findet aber auch immer wieder die Übernahme besiegter Feinde in die eigene Gruppe statt. Das ist offensichtlich schon in der Urzeit so passiert. Zumindest deuten viele unserer heutigen Eigenarten darauf hin, die wir zweifellos von unseren Vorfahren geerbt haben. Dieses Verhalten ist aber nicht nur die Ursache für Gewalt und Krieg, sondern es war überhaupt erst der Treibstoff zur Bildung von Staaten und damit zur Entstehung unserer Zivilisation.

Schon in der Urgesellschaft wurden wahrscheinlich die Besiegten, hauptsächlich die Frauen und die Kinder, oft in den eigenen Stamm integriert. Aber selten gleichberechtigt. Sie gehörten ja schließlich der feindlichen Gruppe an. Deshalb mussten sie die weniger beliebten die Arbeiten erledigen, zu denen offensichtlich auch sexuelle Dienste gehörten. Auch wenn noch viel geforscht werden muss, liegen die Auswirkungen hiervon offen auf der Hand. Gleich mehrere typische Erscheinungen können so erklärt werden: Die Sklavenhaltung, die Entstehung von Klassengesellschaften mit Ständen und Kasten sowie die häufige Unterdrückung und Zwangsverheiratung von Frauen (Trotzdem gab es auch immer Frauen, die meist wegen ihrer Abstammung nicht unterdrückt wurden. Und einige von ihnen wurden ja sogar zu Stammesführerinnen, Königinnen, Kaiserinnen und Bundeskanzlerinnen).

Noch etwas ist typisch für unsere Gruppendynamik: Der äußere Feind wird regelmäßig zur inneren Festigung der Gruppe benötigt. Damit werden Abweichler und Konkurrenten des Herrschers zu folgsamen Untertanen. Das ist das profane Mittel, um sie bei der Stange zu halten. Es ist ein immer wieder sehr gut funktionierendes Prinzip.

Für die optimale Entwicklung eines hierzu notwendigen Feindbildes sind Not und Neid notwendig, oder anders gesagt, große Unterschiede in den Lebensverhältnissen. Das verursacht bis zum heutigen Tag immer wieder nach dem gleichen Muster ablaufende historische Prozesse.

So war es auch schon in der mehrere Jahrtausende dauernden Epoche, in der wir von Nomaden zu sesshaften Bauern wurden. Fast immer ging es den fortschrittlicher lebenden Bauern besser, als den Herumreisenden. Und immer wurden die Bauerngemeinschaften irgendwann von benachbarten, meist nomadisch lebenden Stämmen aus Not oder Gier heraus erobert, die wiederum später vom nächsten Nomadenstamm überrannt wurden.

Da in diesem Zeitraum nach und nach die Geschichtsschreibung begann, wurde das auch mit zunehmender Genauigkeit von der späteren Wissenschaft erforscht. Es passierte besonders häufig im Zweistromland, ebenso aber auch im alten Ägypten, in Indien, in China und sogar im damals doch so abgeschnitten liegenden Lateinamerika.

Immer standen dann die Überlebenden des eroberten Stammes den Eroberern zur Verfügung. Oft landeten sie als Kriegsgefangene direkt in der Sklaverei. Andere Sieger waren hingegen schlauen. Die eroberten Bauern wurden jetzt von den neuen Herrschern beschützt, die nun als Soldaten mit dem König an der Spitze alles überwachten. Als Gegenleistung mussten die Alteingesessenen Abgaben an die so entstandene Aristokratie entrichten. Somit kann man davon ausgehen, dass Tributzahlungen und Schutzgelderpressungen die ältesten Steuern der Welt sind. Erkennbar ist das auch daran, dass so etwas bis zum heutigen Tag in der sogenannten Unterwelt und in der Dritten Welt passiert. Gleichzeitig sorgte die Herausbildung von Kasten und Ständen aber auch dafür, dass alles immer so bleibt wie es ist. Die Nachfahren sollten ja später ebenfalls von der Übernahme des fremden Volkes profitieren.

Auf diese Weise entstanden ursprünglich die Staaten. Jahrtausendelang war deshalb die Fremdherrschaft die Regel und nicht die Ausnahme. Es spielte sogar noch bis in das 20. Jahrhundert hinein keine Rolle, wer als König oder Kaiser dem Staat vorstand. Wichtig war nur, dass er dem Stand des Adels entstammte. Auch dass der Staat für mehr als nur für Krieg zuständig ist, für uns heute so selbstverständlich, ist eine Entwicklung, die sich erst vor rund 200 Jahren weltweit abzuzeichnen begann. Wohltätigkeiten durch den Staat waren vorher immer nur die Ausnahme - auch wenn es diese schon in der Antike für bestimmte Schichten der Bevölkerung gab.

Obwohl alle historischen Ereignisse sehr unterschiedlich verlaufen, kann man mehr oder weniger stark immer wieder die gleichen Grundmuster finden. Diese liegen in unserem meist unbewussten Verhalten begründet. Allerdings erkennen wir das nur selten, da wir auch Meister der Selbsttäuschung sind, wie uns Verhaltens- und Gehirnforscher inzwischen bestätigen.

Zum Verständnis unserer gegenwärtigen Geschichte möchte ich zum Schluss noch einen weiteren wichtigen Aspekt nennen: Manchmal suchen wir Mitläufer uns selbst einen neuen Anführer. Oder wir wechseln einfach die Gruppe. In vielen Revolutionen war das so, aber auch bei der Deutschen Wiedervereinigung. Die Idee der Demokratie ist daraus nachweisbar schon vor 2.500 Jahren entstanden. Aber wahrscheinlich gab es auch das schon lange vorher.

Leider haben sich aber die heute so moderne Demokratie und der verantwortungsbewusste Staat bisher nur sehr ungenügend durchgesetzt. Anderseits ist aber auch nicht jeder autoritär regierte Staat von vornherein schlecht (das Risiko in das Abrutschen in Gewalt ist dann aber deutlich höher). Es hat alles immer zwei Aspekte, wie schon die alten Chinesen mit ihrem Yin und Yang erkannt haben.

Anmerkungen:

Es handelt sich bei meinen Ausführungen um eine Theorie, die sehr wahrscheinlich ist, aber nicht unbedingt zu 100 Prozent stimmen muss. Entstanden sind diese Erkenntnisse aus meinem lebenslangen Interesse an historischen Ereignissen, an der weltweiten Geschichte der Menschheit und an Naturwissenschaften allgemein. Hunderte von Artikeln in Zeitungen und Zeitschriften, zahlreiche Bücher, unzählige Fernsehsendungen, Veröffentlichungen im Internet und nicht zuletzt auch die mit spitzer Feder geschriebenen Beiträge von Satirikern, die oft genau den Kern des von ihnen kritisierten Problems treffen, haben bei mir allmählich dieses Geschichtsbild entstehen lassen. Es handelt sich deshalb nicht um eine wissenschaftliche Arbeit. Somit kann ich auch keine Quellen angeben. Tatsächlich sind aber fast alle meiner hier angesprochenen Punkte schon vorher so oder ähnlich von anderen Menschen geäußert worden. Ich habe diese hier lediglich zusammengefasst.

Stellvertretend für meine Vielzahl an Quellen möchte ich aber doch das Buch "Geschichte im Überblick" von Imanuel Geiss vorstellen, da hier besonders im Vorwort und in der Einleitung viele Mechanismen und die Einheit der historischen Prozesse sehr ausführlich beschrieben werden. Diese Erkenntnisse sind in Kurzform in meinem obigen Text eingeflossen. Zurecht wird in diesem Buch aber auch die Kurzsichtigkeit der gegenwärtigen Geschichtswissenschaft kritisiert. Diese sind die Ursache für so viele fehlerhaft und einseitig ausgerichtete Publikationen. Auch wenn meine Veröffentlichung möglicherweise ebenso Fehler beinhaltet, schließe ich mich der Meinung von Imanuel Geiss an, dass eine Weiterentwicklung der gegenwärtig zu großen Teilen mit Scheuklappen ausgestatteten Geschichtswissenschaft dringend von Nöten ist. Denn nur wenn wir richtig verstehen, wie wir überhaupt ticken, haben wir eine Chance die Probleme in unserer globalisierten Welt zu lösen. Und sie ist globalisiert und wird es als Folge des technischen Fortschritts immer stärker, auch wenn viele Blindgänger unter uns das nicht wahrhaben wollen.

Falko Göthel, Februar 2016


Interessantes zur Geschichte gibt es auch unter dem Punkt: schon Gewusst?.



Ausflugsziel oder Veranstaltung eintragen

Feiertage in Deutschland

Quermania als App

Wir haben etwas gegen geistige und moralische Umweltzerstörung. Islamisten und Nazis sind deshalb auf unseren Seiten nicht willkommen: Je suis Charlie.